„Wir sollten dankbar sein für das Hier und Jetzt“

Vorhelm

Umzug, Zapfenstreich und Festball: Der dritte Festtag der Vorhelmer Schützen stellte die neuen Regentenpaare und ihr Gefolge in den Mittelpunkt.

Von Christian Wolff / WN

Beispiele aus der Welt des Fußballs werden in Vorhelm gerne zurategezogen, wenn etwas besonders anschaulich erklärt werden soll: „Kinder, die zehn Jahre alt sind, kennen nur den FC Byern München als Deutscher Fußballmeister. Kinder, die heute drei Jahre alt sind, kennen nur Steffen Avermiddig als Schützenkönig von Vorhelm“, sagte Ralf Lütke Cosmann am Samstagnachmittag bei der Krönungsrede auf dem Dorfplatz.

Es sei eben nicht selbstverständlich, in Gemeinschaft zu feiern, betonte der Redner. Die weltweite Pandemie und der Krieg in Europa führten dies den Menschen vor Augen. „Wir sollten einfach dankbar sein für das Hier und Jetzt.“

Nicht immer ganz ernst gemeint, aber meist mit einem wahren Kern, bilanzierte Lütke Cosmann die unerwartet lange Amtszeit des scheidenden Regenten und seiner Königin Leonie Lakenbrink. „Ihr habt wirklich alles gegeben. Und wie ich so hörte, gab es beim Besuch in Tönnishäuschen sogar zwei gerissene Kreuzbänder“, plauderte der Vortragende aus dem Nähkästchen. „In Enniger muss es auch sehr anstrengend gewesen sein, so fehlten der Majestät angeblich sämtliche Erinnerungen.“ Doch dies müsse nicht unbedingt am übereiferten Genuss diverser Kaltgetränke gelegen haben, sondern möglicherweise am Urinstinkt der Vorhelmer, Erlebnisse aus besagtem Nachbarort „zu verdrängen oder gar nicht erst auf der Festplatte abzuspeichern“.

In der Tat werde es nun Zeit, den Nachfolger Avermiddigs – er ging bereits als jüngster König in die Vereinsgeschichte ein – zu küren, meinte der Zeremonienmeister und überreichte als Höhepunkt des dritten Festtages gemeinsam mit seinen Kameraden Jerrit König und Andreas Höckelmann die ersehnten Insignien der Macht an den neuen Potentaten Oliver Thiel und seine Mitregentin Claudia Wiethaup. Erstmals regieren daneben zwei Damen als Jungkönigspaar: Luise Lütkecosmann und Prinzgemahlin Leonie Kolbe. Das Kinderkönigspaar bilden Finja Ropos und Prinzregent Ben Lenger. Ja, das betonte Ralf Lütke Cosmann, die Frauen haben bei Jung- und Kindervogel ihr Können gezeigt. „Lieber Ben, es gibt weiß Gott Schlechteres, als Prinzgemahl zu sein. Prinz Philipp war auch nie König von England, aber mit Sicherheit trotzdem sehr glücklich“, richtete er sich an den Jüngsten auf der Thronriege. Für die musikalische Begleitung sorgten in gewohnter Manier das Blasorchester des Musikvereins Vorhelm und der Spielmannszug Enniger-Vorhelm, die viel Applaus von Seiten der großen Zuschauergruppe erhielten.

Der weitere Festverlauf nach dem Umzug durchs Dorf verlagerte sich erneut in den Nachtkamp, wo bei Tanz und Musik bis in die frühen Morgenstunden der Königsball gefeiert wurde.

Bereits am Freitagabend hatten die Vorhelmer Schützen und ihre Ehrengäste beim Kameradschaftsabend die Jubilare und treffsichersten Mitglieder geehrt sowie Mitstreiter für besondere Verdienste gewürdigt.

Foto: Christian Wolff

Der neue Vorhelmer Potentat Oliver Thiel wählte sich Claudia Wiethaup zu seiner Mitregentin. Den Hofstaat bilden folgende Paare: Peter Wiethaup und Yvonne Thiel, Markus und Dagmar Huerkamp, Stefan Fährenkemper und Claudia Schnückel, Dennis und Nina Averhage, Patrick Lökes und Lina Schulz, Frank und Martina Küpper, Thorsten und Melanie Hatton, Leon und Rica Schwarte. Als Mundschenke fungieren Marie Thiel und Hanna Wiethaup. Als Jungkönigspaar repräsentieren im kommenden Jahr Luise Lütke Coßmann und Leonie Kolbe den Allgemeinen Schützenverein. Das Kinderkönigspaar bilden Finja Ropos und Prinzregent Ben Lenger.

Thiel, der sich bisher eher im Vorhelmer Kaneval einen Namen gemacht hat und dort Bühnenerfahrung sammelte, beendete mit dem 331. Schuss die lange Frage nach dem Nachfolger von Steffen Avermiddig, der länger als gedacht das Zepter schwingen musste. Ein Raunen ging durchs Publikum, als der Regent auf den Schultern von Ralf Lütke Coßmann und Thorsten Brockhues die ersten Huldigungen entgegennahm. Jetzt konnte sie also starten, die ersehnte Zeltfete.